… oder die Signalstörung.

Wer täglich mit den Stuttgarter S-Bahnen unterwegs ist, kennt sie alle. Die Bandbreite an Entschuldigungen für eine Verspätung oder auch Ausfall sind kolossal: Stellwerkstörungen, Signalstörungen, Weichenstörungen, Streckensperrungen, Personen im Gleisbett. Man hat so seine Gründe. Nicht selten ist dieses technische Wunderwerk S-Bahn auch für skurrile Störungen anfällig. So lassen es metallbeschichtete Luftballons zur Wasenzeit gerne mal so richtig krachen und legen dabei schon mal den gesamten Nahverkehr lahm. Aber nicht nur der Wasen bringt die S-Bahnen aus dem Takt.

Laut offizieller Statistik der Deutschen Bahn waren bis zum Ende des Volkfestes 2015 in Stuttgart 76,5 Prozent aller S-Bahnen weniger als drei Minuten verspätet, 90 Prozent der S-Bahnen hatten weniger als sechs Minuten Verspätung. Auch eine Taktik der Bahn: Wenn sie doch mal pünktlich kommt, freut man sich darüber umso mehr. Schließlich wird es mit der Einfahrt der S-Bahn erst so richtig spannend. Und zwar vor allem zu Stoßzeiten wie morgens oder abends. Wer zuerst kommt, fährt wohl zuerst. Bewährte und neue Taktiken so schnell wie möglich in die Bahn zu gelangen, werden dabei tagtäglich aufs Neue zelebriert. Die „Reise nach Jerusalem“ erreicht dadurch plötzlich ganz neue Dimensionen. Wer nicht sofort einen Sitzplatz ergattert, verwurzelt nicht selten direkt mit dem Boden – ganz nach dem Motto hier steh ich, also bin ich. Und zwar ungeachtet von Lichtschranken, Nebenstehenden oder Menschenmassen, die ebenfalls versuchen in die Bahn zu gelangen.

Hat man nun einen Platz erobert, fällt sofort auf: die neuen S-Bahnen sind wirklich schick, aber technisch wohl noch nicht ganz ausgereift. Die anfangs argen Probleme mit den Schiebetrittbrettern (Warum gab es die nochmal?) wurden entfernt. Also die gesamten Schiebebretter. Moderne Fahrplan-Displays zeigen aktuelle Verspätung nun live an und LED-Lichter erhellen gerade in der trüben Winterzeit  die S-Bahnen in einer Stärke, dass jede OP-Saal-Beleuchtung sich in Grund und Boden schämen würde. Am beliebtesten bei allen Fahrgästen ist aber ungeschlagen das dauerpräsente „Piep, Piep, Piep“. Klar ist:  Ein Warnton vor sich öffnenden oder schließenden Türen kann durchaus eine sinnvolle Sache sein.  Bei der „rasanten“ Geschwindigkeit mit der sich die Türen in den neuen S-Bahnen sowohl öffnen als auch schließen, darf das System aber durchaus hinterfragt werden. Besonders dann, wenn das piepen auch bei geschlossenen Türen auf maximaler Lautstärke weiterläuft. Ignorieren unmöglich – ähnlich wie bei Handygesprächen von fremden Mitfahrern, bei denen man Dinge erfährt, die man eigentlich gar nicht so genau wissen will.

Hat man es dann doch bis zum Ziel geschafft, freut man sich hingegen umso mehr. Endlich geht mal wieder was voran und zu erzählen gibt’s auch noch was. Worüber lässt sich auch sonst noch so schön lästern wie über den Nahverkehr? Wer seine S-Bahn-Erlebnisse übrigens mit Fakten untermauern möchte, dem sei die Website: www.s-bahn-chaos.de zu empfehlen. Dass man nicht alleine mit seinen Problemen da steht wird auch schnell klar – und zwar spätestens nach Feierabend  wenn die Spiele wieder von neuem beginnen.

 

Train arriving in the station

So dynamisch wie auf diesem Bild, sind die Stuttgarter
S-Bahnen leider nicht immer unterwegs.