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Kommunikationsagentur aus Stuttgart

Tag: S-Bahn

Der Weg zur Arbeit

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Wie kommt man in Stuttgart am schnellsten von A nach B? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt. Seit dieser Woche bin ich Volontär bei der PresseCompany und jetzt heißt die Frage für mich ganz konkret: Wie komme ich am schnellsten von Riedenberg in die Reinsburgstraße? Riedenberg liegt in der Nähe des Fernsehturms. Oben. Die Reinsburgstraße befindet sich im Herzen Stuttgarts. Unten.

Auto? Wäre sicher die gemütlichste Alternative. Aber in der Landeshauptstadt sind Parkplätze Mangelware. Außerdem ist der morgendliche Berufsverkehr das reinste Chaos. Und da wäre natürlich noch die ewige Feinstaubdiskussion. Aber lassen wir das. Auf das Auto ist meine Wahl jedenfalls nicht gefallen.

Bahnfahren? 2,90 Euro pro Fahrt sind nicht gerade günstig. 25 Minuten reine Fahrzeit sind gut. Allerdings brauche ich zu Fuß, von Zuhause aus, zehn Minuten zu meiner Haltestelle. Von der Haltestelle Schwabstraße in die Reinsburgstraße sind es nochmal fünf Minuten. Bahnfahren ist also teuer und für mich nur auf den ersten Blick schnell. Daher ist die Bahn auch raus.

Laufen? Nein.

Fahrrad? Keine laufenden Kosten und 30 Minuten von meiner Haustür zur Arbeit. Unschlagbare Argumente. Außerdem fahre ich sowieso gerne Rad. Das Fahrrad ist mein Favorit.

Der erste Arbeitstag. Tasche gepackt, Helm auf, Jacke zu und los. Ich stelle fest, dass es Anfang April morgens noch etwas kalt ist. Eigentlich fahre ich nur den Berg runter. Erst auf der Straße und dann durch den Wald, dann wieder auf der Straße. Die Autofahrer, die ich auf meinem Weg passiere, wirken nicht gerade begeistert. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie im Stau stehen. Ich bin froh, dass ich nicht in einem dieser Autos sitze. In der Reinsburgstraße angekommen, schließe ich mein Fahrrad ab. Eine App sagt mir, dass ich 339 Höhenmeter zurückgelegt habe, 236 davon bergab. Ich bin zufrieden mit meiner Wahl, auch wenn ich kurz an die Heimfahrt denke, auf der ich das alles wieder hochfahren muss.

Wir spulen vor. Feierabend. Ich hatte einen tollen ersten Arbeitstag und jetzt geht es wieder nach Hause. Helm auf, Jacke zu und los. Es geht fast nur bergauf. Ich mache meine Jacke wieder auf, dann ziehe ich sie ganz aus. Die Autofahrer, die mich auf meinem Weg passieren, wirken immer noch nicht begeistert. Keine Ahnung wieso. Ist mir auch egal. Ich würde jetzt gerne in einem dieser Autos sitzen. Dann habe ich es endlich geschafft. Ich bin oben. Die letzten Meter rolle ich bergab nach Hause. Auch wenn der Heimweg anstrengend war, fühle ich mich, jetzt wo ich oben bin, gut.

Die nächsten Tage werde ich wieder mit meinem Fahrrad losziehen. Und wenn ich mal gar keine Lust auf die Heimfahrt habe, fahren mein Rad und ich einfach mit der Zahnradbahn den Berg hoch.

Und täglich grüßt das Murmeltier …

… oder die Signalstörung.

Wer täglich mit den Stuttgarter S-Bahnen unterwegs ist, kennt sie alle. Die Bandbreite an Entschuldigungen für eine Verspätung oder auch Ausfall sind kolossal: Stellwerkstörungen, Signalstörungen, Weichenstörungen, Streckensperrungen, Personen im Gleisbett. Man hat so seine Gründe. Nicht selten ist dieses technische Wunderwerk S-Bahn auch für skurrile Störungen anfällig. So lassen es metallbeschichtete Luftballons zur Wasenzeit gerne mal so richtig krachen und legen dabei schon mal den gesamten Nahverkehr lahm. Aber nicht nur der Wasen bringt die S-Bahnen aus dem Takt.

Laut offizieller Statistik der Deutschen Bahn waren bis zum Ende des Volkfestes 2015 in Stuttgart 76,5 Prozent aller S-Bahnen weniger als drei Minuten verspätet, 90 Prozent der S-Bahnen hatten weniger als sechs Minuten Verspätung. Auch eine Taktik der Bahn: Wenn sie doch mal pünktlich kommt, freut man sich darüber umso mehr. Schließlich wird es mit der Einfahrt der S-Bahn erst so richtig spannend. Und zwar vor allem zu Stoßzeiten wie morgens oder abends. Wer zuerst kommt, fährt wohl zuerst. Bewährte und neue Taktiken so schnell wie möglich in die Bahn zu gelangen, werden dabei tagtäglich aufs Neue zelebriert. Die „Reise nach Jerusalem“ erreicht dadurch plötzlich ganz neue Dimensionen. Wer nicht sofort einen Sitzplatz ergattert, verwurzelt nicht selten direkt mit dem Boden – ganz nach dem Motto hier steh ich, also bin ich. Und zwar ungeachtet von Lichtschranken, Nebenstehenden oder Menschenmassen, die ebenfalls versuchen in die Bahn zu gelangen.

Hat man nun einen Platz erobert, fällt sofort auf: die neuen S-Bahnen sind wirklich schick, aber technisch wohl noch nicht ganz ausgereift. Die anfangs argen Probleme mit den Schiebetrittbrettern (Warum gab es die nochmal?) wurden entfernt. Also die gesamten Schiebebretter. Moderne Fahrplan-Displays zeigen aktuelle Verspätung nun live an und LED-Lichter erhellen gerade in der trüben Winterzeit  die S-Bahnen in einer Stärke, dass jede OP-Saal-Beleuchtung sich in Grund und Boden schämen würde. Am beliebtesten bei allen Fahrgästen ist aber ungeschlagen das dauerpräsente „Piep, Piep, Piep“. Klar ist:  Ein Warnton vor sich öffnenden oder schließenden Türen kann durchaus eine sinnvolle Sache sein.  Bei der „rasanten“ Geschwindigkeit mit der sich die Türen in den neuen S-Bahnen sowohl öffnen als auch schließen, darf das System aber durchaus hinterfragt werden. Besonders dann, wenn das piepen auch bei geschlossenen Türen auf maximaler Lautstärke weiterläuft. Ignorieren unmöglich – ähnlich wie bei Handygesprächen von fremden Mitfahrern, bei denen man Dinge erfährt, die man eigentlich gar nicht so genau wissen will.

Hat man es dann doch bis zum Ziel geschafft, freut man sich hingegen umso mehr. Endlich geht mal wieder was voran und zu erzählen gibt’s auch noch was. Worüber lässt sich auch sonst noch so schön lästern wie über den Nahverkehr? Wer seine S-Bahn-Erlebnisse übrigens mit Fakten untermauern möchte, dem sei die Website: www.s-bahn-chaos.de zu empfehlen. Dass man nicht alleine mit seinen Problemen da steht wird auch schnell klar – und zwar spätestens nach Feierabend  wenn die Spiele wieder von neuem beginnen.

 

Train arriving in the station

So dynamisch wie auf diesem Bild, sind die Stuttgarter
S-Bahnen leider nicht immer unterwegs.

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