Seit mich meine Kollegin Janina in ihrem Blog-Beitrag vom 12. Juni als mutmaßlichen Hip-Hop-Head enttarnt hat, habe ich ein ernstzunehmendes Problem: Denn gewissermaßen hat mich diese Demaskierung ein Stück weit unglaubwürdig gemacht. Warum? Nun, schließlich war ich derjenige, der an dieser Stelle bereits wortreich gegen Anglizismen im Berufsleben gewettert hat. Jetzt stehe ich ganz schön dumm da – denn Rap-Musik ohne Anglizismen ist selbst für selbsterklärte Sprachpuristen wie mich ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb möchte ich diesmal sogar eine Lanze für einen englischen Ausdruck brechen, für den es zwar diverse deutschsprachige Alternativen gibt, von denen jedoch keine der wahren Bedeutung auch nur im Geringsten nahekommt. Wir reden von der „Punchline“, einer oftmals humorvoll formulierten Pointe, die für mich den besonderen Reiz ausmacht, wenn es um Hip-Hop geht.

Doch bevor ich diese These anhand einiger ausgewählter Beispiele untermauern werde, erlaube ich mir einen kleinen Einwurf in eigener Sache: Wenn Sie der Meinung sind, dass Hip-Hop anspruchslose Musik für bildungsferne Halbstarke mit Artikulationsproblemen ist, dann haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie steigen an dieser Stelle aus und warten auf den nächsten Blog-Beitrag oder Sie geben der Straßenpoesie eine Chance und erkennen, dass dieses Genre keinesfalls mit Möchtegern-Gangstertum gleichzusetzen ist, wie oftmals propagiert wird. Entscheiden Sie sich für Letzteres, werden Sie entdecken, dass längst nicht alle Rap-Songs anspruchslose Ich-bin-besser-du-bist-schlechter-Tiraden mit einem zwanghaften Hang zur Homophobie sind. Mir wurde das spätestens in jenem Moment bewusst, als der Hamburger MC Dendemann auf die tollkühne Idee kam, einen Doppelreim aus den Begriffen „Jägerschnitzel“ und „Megapixel“ zu basteln. Respekt! Selbst der kreativste Redakteur hätte hier wohl vergeblich gegrübelt…

Womit wir bei einem zentralen Thema angekommen wären, das ich zumindest aus Sicht unserer Kommunikationsagentur mit Sorge betrachte: Generell lässt sich feststellen, dass Hip-Hopper in der Regel keine PR-Beratung nötig haben. Die meisten wissen genau, wie sie sich richtig in Szene setzen, da ist die PresseCompany (fast) überflüssig.  Zu einem erfolgreichen Kommunikationskonzept gehört in jedem Fall die Selbstglorifizierung – sei es als Geschäftsmann, Produzent, MC oder Liebhaber. Kleines Beispiel gefällig?

JayZ

I sell ice in the winter, sell fire in hell,
I am a hustler baby, I’ll sell water to a well
(Jay-Z)

Das Unmögliche wahr zu machen, ist für einen MC eine Selbstverständlichkeit, wie wir aus diesen Zeilen herauslesen können. Wer hätte so jemanden nicht gerne in seinem Team? Ist doch ganz schön frustrierend, wenn einigen wenigen alles so leicht fällt und viele andere sich vergeblich abmühen. Aber keine Sorge, gemeinhin sind sowieso alle Anstrengungen umsonst, wie uns an anderer Stelle mitgeteilt wird:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es ist wie Erfolg ohne Fehler, Golf ohne Schläger,
es ist unmöglich wie Formel-1-Fahren in `nem Golf ohne Räder

(Olli Banjo)

 

Bevor Sie allerdings den Eindruck gewinnen, Punchlines dienten grundsätzlich der Selbstverherrlichung, kann ich Sie beruhigen. Selbstreflexion und die Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten spielen in kaum einem anderen Musikgenre solch eine prägende Rolle wie im Hip-Hop – weshalb ich Ihnen zum Abschluss noch zwei besonders bemerkenswerte Zitate mit auf den Weg geben möchte:

An einem Ort, an dem man Diktatur für Stärke hält,
such‘ ich nach den frischen Radieschen in der Konservenwelt

(Olli Banjo)

oder

Casper

Kein Ärger und Mist, denn als merkten wir’s nicht:
Alltag ist Treibsand, du steigst ab je stärker du trittst

(Casper)

Dafür liebe ich Hip-Hop. Deshalb habe ich in meiner Jugend selbst zum Mikrofon gegriffen und gemäß Eminems Credo „I make music to make you sick of fake music“ um mein Leben gereimt. Jetzt ist es raus. Ob das meiner Kollegin Janina als Beweis reicht? Wir werden sehen. Oder um es mit Das Bos Worten zu sagen: „Ich bin am Ziel, ihr seid am Start!“