PresseCompany Blog

Kommunikationsagentur aus Stuttgart

Author: Benni

VW(eh) – oder die leidige Gewissheit, dass Krisen-PR schmerzhaft ist

Der Untergang des Vaterlands steht unmittelbar bevor! Schart rasch eure Liebsten um euch und bereitet sie auf das Ende vor! Eine ganze Nation stürzt ins Verderben! Der tiefste Tiefpunkt ist erreicht…!

Echt jetzt? Natürlich nicht! Der Mensch neigt einfach gelegentlich zur Übertreibung. Denn als Gemeinschaftstiere sind wir Getriebene, ruhelos, manchmal gar panisch. Und dann geht’s meistens in den Wald…

Ein wunderbares Beispiel für dieses herrlich irrationale Verhaltensmuster ist die Diskussion um dem Abgasskandal bei Deutschlands liebstem Automobilhersteller Volkswagen. Sie erinnern sich sicher: Genau jener Konzern, der in Brain’scher Manier nach der Weltherrschaft greifen wollte und dabei von (Achtung, O-Ton VW-Pressestelle) „einigen wenigen“ Pinkys aufs Brutalste ausgebremst wurde. Ein milliardenschwerer Koloss stolpert über eine popelige Software, die nicht mal in den eigenen, ach so heiligen Hallen entwickelt, sondern einfach zugekauft und zweckentfremdet eingesetzt worden war. Jahrelang konnten die Oberen aus Wolfsburg vor Kraft kaum laufen – und vom einen auf den anderen Tag stürzen vermeintlich unzerstörbare Denkmäler ein, als wären sie anstelle von Bronze aus porösem Gips gegossen.

Wie kann das sein? German Engineering und Betrug werden plötzlich in einem Atemzug genannt! Das passt nicht in unser Weltbild! Oder genauer: Es darf nicht passen. Ein gefundenes Fressen für die Presse. Entsetzen bei der Politik, Fassungslosigkeit bei der treuen Kundschaft. Schuld und Sühne, Stolz und Vorurteil, Krieg und …wie war das noch gleich?

Kommunikationsprofis verfolgen dieses Spektakel natürlich besonders aufmerksam. Sicher, mit VWs Unternehmenssprechern möchte gerade kaum jemand tauschen, aber deren wahrhaft missliche Lage macht in diesem Fall ja gerade den Reiz aus: Schließlich treibt der Leitspruch „Wachse an deinen Herausforderungen“ die armen Alleskönner in der Konzernzentrale quasi stündlich auf die nächsthöhere Sprosse der Was-habt-ihr-bloß-angerichtet-und-wie-sollen-wir-nur-damit-fertig-werden-Leiter. Wer es schafft, in dieser dünnen Höhenluft durchzuatmen und den vorgefundenen Trümmerhaufen aufzufegen, ist ein wahrhaft Großer. Gewissermaßen ein Vorbild für die gesamte PR-Branche. Doch um das allerdings bewerkstelligen zu können, müssen unbequeme Wege beschritten werden.

„Schonungslose Aufklärung“ und „maximale Transparenz“ versprechen die Krisenmanager, um das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Damit das Ganze aber nicht nach hohler Phrasendrescherei klingt, gilt es Fakten zu schaffen: Ehemals hoch angesehene Führungskräfte werden mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt, neu installierte Galionsfiguren kriechen auf nationaler und internationaler Ebene zu Kreuze, teure „Nachbesserungsmaßnahmen“ werden zur lästigen, aber unumgänglichen Pflicht erklärt. Und noch während man diesen wohlkalkulierten Ablasshandel den eigenen Reihen als konsequent und alternativlos zu vermitteln versucht, schallt einem zum Dank bereits das hämische „Geschieht euch recht“ der Bevölkerung entgegen. Ja, das ist ein Job für die ganz harten Hunde.

Allein diese kurze Episode macht deutlich: Krisen-PR ist und bleibt die Königsdisziplin des Kommunikationsgeschäfts: wenn überkritische Journalisten ihr Faible für investigative Recherchen wiederentdecken, wenn Umweltaktivisten gitarrezupfend das Ende des Verbrennungsmotors herbeisingen, wenn Politiker hinter verschlossenen Türen den Niedergang der gesamten Automobilindustrie beweinen, wenn besorgte Händler ihre Angst vor Umsatzeinbußen in Hasstiraden auf die Führung des Mutterkonzerns kanalisieren, wenn Spitzenmanager in gestelzter Rhetorik Milliardenverluste schönreden – ja dann braucht es ein Maximum an Fingerspitzengefühl und Beharrlichkeit, um das angekratzte Image aufzupolieren.

Doch Gemach: Bis das gelungen ist, wird noch viel Wasser die Aller hinabfließen. Schließlich geht der Ausspruch „einmal Betrüger, immer Betrüger“ wesentlich leichter über die Lippen als das Bekenntnis zum „reumütigen Sünder“. Versehen oder Vorsatz? Geiz oder Gier? Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Deshalb sollten wir uns jeden Tag aufs Neue bewusst machen, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Nein, die Welt ist manchmal einfach nur grau(sam). Daran kann selbst die beste Krisen-PR nichts ändern. Und wissen Sie was: Das ist auch gut so!

Punchlines für Fortgeschrittene

Seit mich meine Kollegin Janina in ihrem Blog-Beitrag vom 12. Juni als mutmaßlichen Hip-Hop-Head enttarnt hat, habe ich ein ernstzunehmendes Problem: Denn gewissermaßen hat mich diese Demaskierung ein Stück weit unglaubwürdig gemacht. Warum? Nun, schließlich war ich derjenige, der an dieser Stelle bereits wortreich gegen Anglizismen im Berufsleben gewettert hat. Jetzt stehe ich ganz schön dumm da – denn Rap-Musik ohne Anglizismen ist selbst für selbsterklärte Sprachpuristen wie mich ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb möchte ich diesmal sogar eine Lanze für einen englischen Ausdruck brechen, für den es zwar diverse deutschsprachige Alternativen gibt, von denen jedoch keine der wahren Bedeutung auch nur im Geringsten nahekommt. Wir reden von der „Punchline“, einer oftmals humorvoll formulierten Pointe, die für mich den besonderen Reiz ausmacht, wenn es um Hip-Hop geht.

Doch bevor ich diese These anhand einiger ausgewählter Beispiele untermauern werde, erlaube ich mir einen kleinen Einwurf in eigener Sache: Wenn Sie der Meinung sind, dass Hip-Hop anspruchslose Musik für bildungsferne Halbstarke mit Artikulationsproblemen ist, dann haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie steigen an dieser Stelle aus und warten auf den nächsten Blog-Beitrag oder Sie geben der Straßenpoesie eine Chance und erkennen, dass dieses Genre keinesfalls mit Möchtegern-Gangstertum gleichzusetzen ist, wie oftmals propagiert wird. Entscheiden Sie sich für Letzteres, werden Sie entdecken, dass längst nicht alle Rap-Songs anspruchslose Ich-bin-besser-du-bist-schlechter-Tiraden mit einem zwanghaften Hang zur Homophobie sind. Mir wurde das spätestens in jenem Moment bewusst, als der Hamburger MC Dendemann auf die tollkühne Idee kam, einen Doppelreim aus den Begriffen „Jägerschnitzel“ und „Megapixel“ zu basteln. Respekt! Selbst der kreativste Redakteur hätte hier wohl vergeblich gegrübelt…

Womit wir bei einem zentralen Thema angekommen wären, das ich zumindest aus Sicht unserer Kommunikationsagentur mit Sorge betrachte: Generell lässt sich feststellen, dass Hip-Hopper in der Regel keine PR-Beratung nötig haben. Die meisten wissen genau, wie sie sich richtig in Szene setzen, da ist die PresseCompany (fast) überflüssig.  Zu einem erfolgreichen Kommunikationskonzept gehört in jedem Fall die Selbstglorifizierung – sei es als Geschäftsmann, Produzent, MC oder Liebhaber. Kleines Beispiel gefällig?

JayZ

I sell ice in the winter, sell fire in hell,
I am a hustler baby, I’ll sell water to a well
(Jay-Z)

Das Unmögliche wahr zu machen, ist für einen MC eine Selbstverständlichkeit, wie wir aus diesen Zeilen herauslesen können. Wer hätte so jemanden nicht gerne in seinem Team? Ist doch ganz schön frustrierend, wenn einigen wenigen alles so leicht fällt und viele andere sich vergeblich abmühen. Aber keine Sorge, gemeinhin sind sowieso alle Anstrengungen umsonst, wie uns an anderer Stelle mitgeteilt wird:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es ist wie Erfolg ohne Fehler, Golf ohne Schläger,
es ist unmöglich wie Formel-1-Fahren in `nem Golf ohne Räder

(Olli Banjo)

 

Bevor Sie allerdings den Eindruck gewinnen, Punchlines dienten grundsätzlich der Selbstverherrlichung, kann ich Sie beruhigen. Selbstreflexion und die Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten spielen in kaum einem anderen Musikgenre solch eine prägende Rolle wie im Hip-Hop – weshalb ich Ihnen zum Abschluss noch zwei besonders bemerkenswerte Zitate mit auf den Weg geben möchte:

An einem Ort, an dem man Diktatur für Stärke hält,
such‘ ich nach den frischen Radieschen in der Konservenwelt

(Olli Banjo)

oder

Casper

Kein Ärger und Mist, denn als merkten wir’s nicht:
Alltag ist Treibsand, du steigst ab je stärker du trittst

(Casper)

Dafür liebe ich Hip-Hop. Deshalb habe ich in meiner Jugend selbst zum Mikrofon gegriffen und gemäß Eminems Credo „I make music to make you sick of fake music“ um mein Leben gereimt. Jetzt ist es raus. Ob das meiner Kollegin Janina als Beweis reicht? Wir werden sehen. Oder um es mit Das Bos Worten zu sagen: „Ich bin am Ziel, ihr seid am Start!“

Und was machen Sie so…?

Gott, wie ich diese Frage hasse! Dabei ist es doch völlig legitim, sich zu erkundigen, welchen Aufgaben der geschätzte Gesprächspartner Tag für Tag nachgeht. Peinlich wird’s aber spätestens dann, wenn man sein Bestes tut, den Job zu erklären – dafür aber nur verwunderte Blicke und höfliches, Zustimmung suggerierendes Nicken erntet. In Wahrheit denkt mein Gegenüber nämlich längst: ‚Ich hab‘ keinen blassen Schimmer, wovon der redet!‘

Benni_bearbeitet

Der Anfang allen Übels sind dabei meist die viel zitierten, aber insgeheim doch verhassten Anglizismen. Na, klingelt’s? Sie haben doch bestimmt schon Bekanntschaft mit jeder Menge Facility Managern oder Directors of Human Resources gemacht. Und jetzt kommt noch ein Senior Consultant hinzu. Denn genau als solcher müsste ich mich Ihnen vorstellen, wenn ich diesen ganzen Internationalisierungsquatsch mitmachen würde. Mein Fachgebiet? Nun, da gibt es viele. Ohne Probleme könnte ich Ihnen jetzt einen Vortrag über Public-Relations-Strategien, Corporate-Publishing-Produkte oder Social-Media-Fanpages halten. Denn schließlich prägen all diese Begriffe meinen beruflichen Alltag in der PresseCompany.

Spätestens an diesem Punkt kommt in der Regel die erste Rückfrage: Meist ist sie vorsichtig formuliert, man will ja nicht offen bekennen, dass man als Weltbürger vom Experten-Denglish der anderen gerne mal überfordert ist. Deshalb wirft man zunächst ein interessiertes ‚Und was ist das jetzt genau?‘ in die Runde, um das Eis zu brechen. So war es zumindest bei meinen Eltern, meinen Freunden und meinen Nachbarn, als ich gebeten wurde, von meinem Job zu berichten.

Um die Wahrheit zu sagen: Ich kann das voll und ganz verstehen. Deshalb mache ich an dieser Stelle einen Cut – Verzeihung, ich wollte sagen: Schnitt – und gebe einfach in eigenen Worten wieder, womit ich mich beruflich beschäftige. Ich arbeite als Berater in einer Kommunikationsagentur, schreibe im Auftrag unserer Kunden Pressemitteilungen, entwickle Kommunikationskonzepte, organisiere Veranstaltungen und betreue die grafische Gestaltung von Fachpublikationen. Ich weiß, das klingt immer noch ziemlich abgefahren. Aber eins kann ich Ihnen garantieren: Das alles ist unheimlich spannend und macht wirklich Spaß. Wenn ich Sie also mit meinen Ausführungen nicht zu sehr verschreckt habe, besuchen Sie uns doch einfach bei nächster Gelegenheit in Stuttgart. Dann zeige ich Ihnen gerne persönlich die Ergebnisse unserer Arbeit, damit wir nicht mehr darüber reden müssen. Doch nun genug von mir – was ich schon immer wissen wollte: Was machen eigentlich Sie so…?

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